• Horst Eisterer

Hochhäuser in Zürich

Aktualisiert: 21. März

H o c h h ä u s e r i n Z ü r i c h

In Zürich sollen Hochhäuser bis 250 Meter Höhe möglich werden




«Man sollte Wohnungen bereitstellen für diejenigen,

die sie brauchen, und nicht für die Leute, die am meisten

dafür zahlen können.»

Peter Marcuse

Inhalt:


0.-Vorbemerkungen. Herangehensweise des Hochbaudepartementes der Stadt Zürich

1.-Geschosshäufung und Freiflächen

2.-Grosser ökologischer Fussabdruck von Hochhäusern

3.-Systembedingt hohe Kosten von Hochhäusern

4.-Humanwissenschaftliche Nachteile des Wohnhochhauses

5.-Nachfrage von wem? Wer will im Hochhaus wohnen?

6.-Städtebau und Hochhäuser. Aussenraum-Qualitäten

7.-Zusammenfassung


Die nachstehende Zeilen sind ein Argumentarium gegen die extremen Verdichtungsabsichten des Amtes für Städtebau im Dienste der Bau- und Immobilienwirtschaft und die irrationale Hochhaushype. Inakzeptabel ist überdies das selbstbestimmte, undemokratische Vorgehen des Hochbaudepartementes der Stadt Zürich hinter dem Rücken der Bevölkerung unter exzessiver Ausreizung des §284 des Gesetzes über die Raumplanung und das öffentliche Baurecht (Planungs- und Baugesetz)

0.-Vorbemerkungen. Herangehensweise des Hochbaudepartementes der Stadt Zürich


Der Artikel in der Sonntagszeitung der NZZ „Flucht nach oben“ von Ewa Hesse vom 20.2.2022 zum Bau von Hochhäusern und Wolkenkratzern könnte wegen seiner Aufbruchsstimmung vor 50 Jahren geschrieben sein, als wären diese Giganten eine Geschmacksfrage oder sogar Notwendigkeit. Der auch in Zürich weit verbreitete und geschürte Glaube, Hochhäuser seien zur Weiterentwicklung einer guten, fortschrittlichen und modernen Stadt nötig, ist fachlich leicht zu widerlegen. Solange aber die an Überverdichtung interessierte Immobilienwirtschaft und sogar Bauämter solche Falschinformationen verbreiten, kann man der Bevölkerung diesen Irrglauben nicht verargen.

Die Zürcher Presse reagierte in den letzten Wochen in mehreren Artikeln auf einen indiskret an die Öffentlichkeit gelangten Schlussbericht zur Überarbeitung der Hochhausrichtlinien, als Ergebnis einer vom Amt für Städtebau initiierten 2019 Testplanung. Dieser Schlussbericht wird seit Dezember 2020 geheim gehalten. Dadurch wurde auch eine öffentliche Diskussion über die Ziele des Bauamtes vor der Abstimmung über den Siedlungsrichtplan am 28.11.2021 verhindert. Zu Hearings wurden nur ausgewählte Kreise eingeladen, auch wenn Herr Stadtrat Odermatt nicht der Wahrheit entsprechend den Eindruck vermitteln will, diese Veranstaltungen seien öffentlich gewesen.

Der besagte Schlussbericht ist eine Werbebroschüre für den Hochhausbau. Das verwundert niemanden, wenn Architektenteams ohne bessere Vorbereitung ihre Bauträume ausleben dürfen. Die Teams gingen sogar so weit, die Limmat- und Seeufer, ja sogar die Waldränder Zürichs mit Hochhäusern zu verstellen. Unsere Warnung im Vorfeld, die Testplanung mit einer Sammlung von Daten über Hochhäuser zu beginnen, welche ökologische, soziale und ökonomische Merkmale von Hochhäusern nach einer Checkliste untersucht, hat das Amt für Städtebau ignoriert. Jetzt wird im Nachhinein eingeräumt, der Schlussbericht müsse noch mit ökologischen und soziologischen Untersuchungen ergänzt werden. Verkehrte Welt! Wir befürchten, dass im Rahmen dieser Nachbesserung nicht wirklich kritische Umwelt- und Humanwissenschaftler beigezogen werden, welche notabene auch im Beurteilungsgremium für die Testplanung fehlen. Man will wohl das Gesicht im irrational höhenbegeisterten Hochbaudepartement nicht verlieren.

Der Verschlossenheit und Intransparenz des Bauamtes gegenüber vertreten wir die Auffassung, die betroffene Zürcher Bevölkerung wie auch die Fachwelt habe ein Anrecht auf eine gründliche und offene Information und Mitwirkungsrechte zur städtebaulichen Entwicklung und des Wohnungsbaues. Besonders wichtig ist die Aufklärung der Menschen in dieser Stadt über die sozialen, demographischen, ökologischen und städtebaulichen Auswirkungen des Hochhausbaues, was in diesem Beitrag ansatzweise versucht wird. Dies ist auch deshalb notwendig, weil die Presse bisher wenig dazu beitrug, einen Überblick über die Auswirkungen der extremen, Hochhäuser erzwingenden Verdichtungsabsichten der Immobilienwirtschaft und des sie unterstützenden Bauamtes zu schaffen. Wir geben hier nicht irgendwelche Meinungen wider, sondern stützen uns auf wissenschaftliche Quellen ab.

Im oben erwähnten Beitrag in der Sonntagszeitung ist gar von einer gesellschaftlich relevanten Wohnform im Hochhaus die Rede, was für Zürich weder quantitativ zutrifft - auch bei weiteren Hochhäusern - noch wünschen nach seriösen Befragungen nur wenige Menschen wirklich in einem Hochhaus zu wohnen, falls sie es sich überhaupt leisten können.


Besonders erschreckt die Ignoranz dieses Höhenrausches gegenüber unserer Umwelt, als hätte die existentielle Krise, in der wir uns auf diesem Planeten befinden, nichts mit dieser Wachstums- und Höheneuphorie zu tun. Zudem wird einmal mehr das falsche Vorurteil geschürt, das Bauen in die Höhe könne das Problem des Platzmangels lösen.

Kein Wort wird über den gigantischen ökologischen Fussabdruck der vertikalen Stadt verloren, den extremen CO2-Ausstoss und die graue Energie. Wie kann man so realitätsfremd und unkritisch über den Hochhausbau schreiben? Die Bauwirtschaft ist weltweit fast zur Hälfte am CO2-Ausstoss beteiligt. Die Hochhausdiskussion wird so geführt, als würden sich die Offiziere eines sinkenden Schiffes über dessen standesgemässe Beflaggung unterhalten? Welch ein fahrlässiger Realitätsverlust!


Hohes Haus, Hochhaus und Wolkenkratzer werden oft vermischt. Eine wichtige Unterscheidung ist auch die Hauptnutzung: Dienen Hochhäuser dem Wohnen oder öffentlicher Nutzung. Wir sind nicht grundsätzlich gegen Hochhäuser. Sie lassen sich aber wegen ihrer Dominanz bis hin zur Aufdringlichkeit städtebaulich besser begründen, wenn sie eine öffentliche Bedeutung haben, wie z.B. als Rathaus, Hotel, allenfalls noch als Verwaltungs- und Bürogebäude.


In Zürich stehen die meisten Hochhäuser leider nicht dort, wo sie städtebaulich zur Klärung der Stadtstruktur beitragen könnten, sondern wo sich zufällig Areale dazu anboten, auch wenn die Direktorin das Amtes für Städtebau richtigerweise argumentiert, alle Objekte seien schliesslich geprüft und bewilligt worden … Stadtmorphologisch gesehen ist dieser Zustand chaotisch. Ein Ende dieser problematischen Entwicklung ist mit der aktuellen auf Hochhäuser eingeschworenen Politik des Zürcher Hochbaudepartementes nicht in Sicht.


Von der Erscheinungsform der Hochhäuser her ist es ein grosser Unterschied, ob es sich um schlanke Türme oder um riesengrosse Baukörper handelt, die sich ebenso in die Breite ausdehnen, wie das in Zürich immer mehr und monströser angestrebt wird. Es bleibt noch zu erwähnen, dass die gesetzlich vorgeschriebenen hohen Anforderungen an die Gestaltung oft nicht erfüllt werden und viele Fassaden an banaler Repetition von Geschossen nicht zu übertreffen sind. Dabei gäbe es reichlich Vorbilder für die Differenzierung der Baukörper und deren Gliederung des Abschlusses nach oben und unten, für «schöne» Hochhäuser.


Viel ernster als formale Kritik sind allerdings die wissenschaftlich bestätigten, nachteiligen Auswirkungen der Wohnhochhäuser auf die Menschen und die Umwelt zu nehmen. Nachstehend führen wir in Kürze sechs Kriterien ein, welche für den Hochhausbau anzuwenden wären:

1.-Geschosshäufung und Freiflächen


Das Vorurteil, es müsse in die Höhe gebaut werden, um Freiflächen zu schaffen, ist irreführend. Die immer wieder ins Feld geführten Freiflächengewinne durch Geschossanhäufung nehmen nämlich mit zunehmender Geschosszahl überproportional ab. Bei extremer Verdichtung ergeben sich trotz der Geschossanhäufung zu geringe Freiflächen pro Kopf, für die Begegnung der Bewohner und besonders wichtig, für die Kinder. Dieses Problem wurde zwar anlässlich der Diskussion im Gemeinderat über den Siedlungsrichtplan erkannt. Die vorgeschlagene Lösung aber, private Gärten öffentlich zugänglich zu machen, ist sehr fragwürdig. Die Verlagerung eines Problems auf die Nachbarschaft ist nicht nur eigentumsrechtlich bedenklich, sondern auch deshalb, weil die Freiflächen dort sein müssen, wo gewohnt und gelebt wird.


Die Hochhauswohnung mit dem landverzehrenden und infrastrukturintensiven Einfamilienhaus rechtfertigen zu wollen ist nicht akzeptabel. Die Feststellung, Hochhauswohnungen seien umweltfreundlicher als Einfamilienhäuser im Grünen, weicht der Frage aus, ob es unter Berücksichtigung möglichst aller Aspekte ein Optimum für die Höhe von Bauten und die bauliche Dichte gibt. Wenn wir allein den CO2-Ausstoss betrachten, schneiden nach einer umfangreichen amerikanischen Studie Blockränder oder ähnliche Siedlungsformen am besten ab. Nach unseren Einsichten und mit Rücksicht auf zahlreiche Quellen schafft der verdichtete Flachbau mit 4 bis 6 Geschossen die besten Voraussetzungen für eine hohe städtische Dichte bei gleichzeitig hohen ökologischen Anforderungen und Lebensqualitäten.

2.-Grosser ökologischer Fussabdruck von Hochhäusern


Hochhäuser haben einen sehr grossen ökologischen Fussabdruck. Dies gilt für den ganzen Werdegang: die Planung und Erstellung, den Betrieb, den Unterhalt und Rückbau. (Aspekte: CO2-Ausstoss, graue Energie, Betriebsenergie, Rückbauenergie. Klimarelevanz, Biodiversität). Der Hochhausbau emittiert während seiner Bauphase viel mehr Treibhausgase, als bei seiner Betriebszeit von angenommenen 60 Jahren. Wollen wir wirklich unnötige CO2-Emissionen vermeiden, dürften Hochhäuser bei restriktiver Auslegung der Umweltschutzgesetze gar nicht mehr gebaut werden.


Gerühmte Fassadenbegrünungen bei Hochhäusern, sind entgegen der Werbung (wie bei den schönen Bosco Vertikale in Mailand) alles andere als ökologisch und nur mit Gartenbaufirmen aufwändig und HorsSol-Technik zu unterhalten. Auch die Hoffnung, das Holzhochhaus (mit sehr viel Stahleinlagen) könnte die hier beschriebenen Probleme lösen, ist durch die Forschung widerlegt.

3.-Systembedingt hohe Kosten von Hochhäusern


Hochhäuser sind systembedingt 15 bis 40% teurer als gewöhnliche Häuser in einfacher Bauweise mit naturnahen Materialien (Statik, Erschliessung, Ver- und Entsorgung, Feuerschutz, …). Der Pro-Kopf-Bedarf an Geschossfläche ist wegen der Flächen für die Statik, Erschliessung und dergleichen erheblich grösser als in Flachbauten. Zudem beanspruchen Leute, die sich teure Wohnungen leisten können, erfahrungsgemäss eine grössere Nutzflächen, was Bestrebungen nach Verdichtung zunichte machen. (Lassen wir die ABZ das vielzitierte Hochhaus auf dem Kochareal zuerst einmal bauen. Die Mieten werden trotz Kostenmiete deutlich höher sein müssen als im einfachen Flachbau.)

4.-Humanwissenschaftliche Nachteile des Wohnhochhauses


Humanwissenschaftlich betrachtet geniessen Wohnhochhäuser einen schlechten Ruf. Systembedingt teurere Hochhauswohnungen mit spezifischer Benutzerschaft behindern die soziale Durchmischung. Sie eignen sich insbesondere nicht für die wünschbare Entwicklung von Kindern, schaffen Hierarchien und isolieren die Menschen vom Boden (demographische, soziale, psychologische und physiologische Aspekte). Teure Wohnungen verdrängen preisgünstige und verdrängen Menschen, die in Zürich heimisch sind, aus der Stadt (Gentrifizierung).


Dazu im Gegensatz begünstigen «Low-Rise«-Häuser mit einem Hauseingang soziale Durchmischung und Kontakte, ohne solche zu erzwingen und schaffen Identifikation mit einem vertrauten Zuhause. Weil sich Hochhäuser erst bei extremer Verdichtung für Anleger rechnen, entsteht bei sinnvoller Belegung Engnis (Crowding), was zu einer Übernutzung der Freiflächen führt und Biodiversität einschränkt. Zudem verunmöglichen flächendeckende Tiefgaragen - überdies enorme CO2-«Schleudern» - eine naturnahe Vegetation mit Bäumen.

In Beiträgen zu Hochhäusern wird nichts ausgelassen, um sie zu rechtfertigen: sogar die bessere Stadtluft in den oberen Geschossen wird gelobt. Sollen sich diese nur gut Betuchte leisten können?

5.-Nachfrage von wem? Wer will im Hochhaus wohnen?


Es wird behauptet, viele Menschen würden gerne in Hochhäusern wohnen. Nach einer repräsentativen Befragung «Wie will die jüngere Generation in der Zukunft wohnen?»

mit 1650 jüngeren Menschen in der Schweiz möchten nur 4% in einem Hochhaus wohnen - dies ohne zu wissen, ob sie sich diese teure Wohnform überhaupt leisten könnten (Studie EY).


Die Nachfrage nach Hochhäusern kommt nicht von der Bevölkerung und den Menschen, sondern von Immobilienfirmen, die sich auf einem Grundstück möglichst viel Verdichtung, d.h. Nutzfläche und somit Rendite versprechen. Die Rentabilität lässt sich mit jedem weiteren Geschoss steigern. Wenn unser Bauamt Überverdichtung fördert und im Rahmen der Mehrwertabschöpfung einen Anteil bezahlbarer Wohnungen aushandelt, ist das toxisch. Eine Suppe mit den besten Zutaten wird durch zu viel Salz - in unserem Fall durch Overcrowding - ungeniessbar! Herr Odermatt behauptet neuerdings, nachdem er seit vielen Jahren dafür wirbt, «Hochhäuser würden schlichtweg verlangt». Ehrlicherweise müsste gesagt werden, wer Hochhäuser will.


Auch das Hochhaus der kurzen Wege wird gelobt - «alles unter einem Dach». Dreissig Meter zu Fuss zurückzulegen ist ein Klacks, was zehn Geschossen entspricht. Entweder man ist sehr sportlich und schafft das in 5 Minuten, oder der Fahrstuhl lässt auf sich warten. Nach amerikanischen Studien sollen Menschen Lebensjahre am und im Aufzug verbringen.


Überhaupt kann das Gefühl des «Gefangenseins», die Abhängigkeit von der Nabelschnur funktionierender Fahrstühle zu einem psychischen Problem werden. Das trifft auch für Höhenängste und Ängste vor Erdbeben, Feuer, Vandalismus und Terrorismus zu. Deshalb bestätigen Studien ein erhöhtes Sterberisiko. Etwas nur für robuste Menschen!

6.-Städtebau und Hochhäuser. Aussenraum-Qualitäten


Stadtlandschaftlich ist Zürich ein Gletschertal, durch seine sanften Erhebungen eingefasst. Hochhäuser beeinträchtigen diese topographische Situation und verschandeln unser Stadtbild. Formale Eigenschaften von Hochhäusern und Wolkenkratzern als Einzelobjekte werden in der Presse meistens mit einer Oberflächlichkeit beschrieben, als handle es ich um die neueste Hutmode.


Der alte Gestaltungsgrundsatz, Einheitlichkeit im Ganzen, Vielfalt im Einzelnen wird durch die gegenseitige Beziehungslosigkeit der Hochhäuser - nicht nur in Zürich - und die auf sich selbst bezogene Gestaltung grob verletzt. Was damit gemeint ist, verkörpern beispielsweise in extremis Städte wie Bologna oder Certaldo, welchen die Einheitlichkeit des Materials einen enormen Gestaltungsspielraum gab und gibt.


Die Bausteine der traditionellen, homogenen wirkenden und horizontalen Stadt sind Häuser, mit welchen sich bis auf die Höhe der Baumkronen gefasste wohnliche Aussenräume gestalten lassen: Gassen, Strassen, Plätze und auf ihrer Rückseite geschützte halbprivate oder private Höfe. Dieses Prinzip ermöglicht zudem verschiedene Siedlungstypen (z.B. offene oder geschlossene Blockränder, Zeilenbau).


Stadthäuser als kleine Einheiten erleichtern die Identifikation, ein Zuhause und bewähren sich seit Jahrhunderten. Einen Hinweis auf die Problematik der Anonymität und Verlorenheit der Menschen in Wohnhochhäusern geben die endlosen Klingelschilder in Wohnhochhäusern. «Nach Hause kommen» von Hans E. Widmer und weiteren Autoren zeigen Strategien für die wohnliche Stadt auf.


Die Umgebung beherrschende Hochhäuser, die in Zürich immer masslosere Fassaden und Wände aufbauen, sind wenig geeignet, jene behaglichen, bergenden Räume und Raumqualitäten zu schaffen, wie wir sie in unseren alten Städten erleben dürfen. Städtische Hauszeilen schaffen Raum, Hochhäuser brauchen und beherrschen Raum. Die Behauptung, zum Bauen einer guten Stadt brauche es Hochhäuser (Direktorin des Amtes für Städtebau Zürich) ist unqualifiziert und wird durch schönste, sehr dichte Städte widerlegt. Unsere alten beliebten Städte könnten durch eine Neuinterpretation ein Modell für eine gute, menschliche und umweltfreundliche Stadtentwicklung sein. Erfinden wir die alte, ausreichend dichte Stadt neu!


Beispielsweise setzte Chur auf viele Hochhäuser, was zu einem chaotischen Stadtbild führte. Deren Umgebung ist unwirtlich und lädt nicht zum Verweilen ein. Dem gegenüber schafft die Hauszeile «Vier Jahreszeiten» der Architekten Bearth&Deplazes, zusammen mit niedrigen Nebengebäuden, einen angenehmen gefassten Aussenraum. Der bessere Ansatz!


Die gute Befindlichkeit in der Umgebung von Hochhäusern wird zudem oft durch ein unangenehmes Mikroklima und durch Fallwinde gestört. Grundsätzlich ist die Höhe der Bäume ein gutes Mass für den verdichteten Flachbau und für die gute Beschattung der Gebäude - dies zusammen mit bodenwurzelnden Fassadenbepflanzungen.

7.-Zusammenfassung:


Leider ist der Druck der Immobilienwirtschaft, Hochhäuser zu errichten, in vielen Städten sehr gross. Die Menschen werden mit dem emotionalen Scheinargument, eine Stadt sei mit Hochhäusern fortschrittlicher und städtischer, getäuscht. In Wirklichkeit geht es darum, möglichst viel absetzbare Nutzfläche auf einem Grundstück zu platzieren, um mit jedem weiteren Geschoss Einnahmen zu erwirtschaften. Dafür anfällig dürften attraktive Wirtschaftsstandorte mit Zuwanderungsdruck und geringem Bewusstsein für hier aufgeführte Probleme, für baukulturelle Werte und das Stadtbild sein. In Zürich lässt sich die Politik durch den Volksentscheid vom Jahr 2011 unter Druck setzen, es müssten bis 2050 ein Drittel der Wohnungen gemeinnützig sein, resp. der Kostenmiete entsprechen. Solange wie derzeit private und institutionelle Bauträger mehr bauen, als dazu die Stadt oder Genossenschaften in der Lage sind, bleibt dieses Ziel trotz des Massnahmenkataloges der SP unerreichbar. Ohne eine Stärkung der öffentlichen Hand, den Bodenmarkt beeinflussen zu können, wird sich nicht viel verändern und die Gentrifizierung fortsetzen.


Prominenteste Städtebauer und Architekten auf der ganzen Welt bestätigen, dass es Hochhäuser für eine gute und dichte Stadt nicht braucht. Das wird durch zahlreiche sehr schöne Stadtzentren bewiesen, welche wesentlich dichter als Zürich sind (wie z.B. Barcelona, Paris, Venedig, Florenz, München, ….). Wir bedauern sehr, unsere Zeit mit der uns vom Bauamt aufgezwungenen Hochhauseuphorie verschwenden zu müssen. Human- und naturwissenschaftliche Erkenntnisse, das was viele bekannte Städtebauer, Umweltexperten, Soziologen, Kinderärzte, Stadtpsychologen usf. zu Wohnhochhäusern sagen, interessiert in Zürich weder die Immobilienwirtschaft, noch baugierige ArchitektInnen, noch das verantwortliche Hochbaudepartement. Leider!


Zürich 24. Februar 2022

Horst Eisterer

Arbeitsgruppe Städtebau+Architektur Zürich

Schipfe 49

8001 Zürich

Quellen zum Hochhausbau:

- OFFENES SCHREIBEN an Stadtrat Odermatt vom 20.1.2022

- Asaz120239 Vortrag «WIE WOHNEN und VERDICHTEN» vom 11.9.2021

- PDF «Das HOCHHAUS -KURZ + BÜNDIG» 27.04.2021



Anhang:


1. Gesetz über die Raumplanung und das öffentliche Baurecht (Planungs- und Baugesetz)


4. Hochhäuser55

§ 282.55, 59 Hochhäuser sind Gebäude mit einer Fassadenhöhe von mehr als 25 m. Sie sind nur gestattet, wo die Bau- und Zonenordnung sie zulässt.

§ 283.25

§ 284. 1 Hochhäuser müssen verglichen mit einer gewöhnlichen Überbauung ortsbaulich einen Gewinn bringen oder durch die Art und Zweckbestimmung des Gebäudes bedingt sein.

2 Hochhäuser sind architektonisch besonders sorgfältig zu gestalten.

Begriff

Begriff und Zulässigkeit

Anforderungen

64

Planungs- und Baugesetz (PBG) 700.1

3 DieAusnützung darf nicht grösser als bei einer gewöhnlichen Überbauung sein; eine Ausnahme ist ausgeschlossen. Vorbehalten bleiben die Bestimmungen über Arealüberbauungen, Sonderbauvorschriften und Gestaltungspläne.


4 Die Nachbarschaft darf nicht wesentlich beeinträchtigt werden, insbesondere nicht durch Schattenwurf in Wohnzonen oder gegenüber bewohnten Gebäuden.

2. Städtische Richtlinien für die Planung und Beurteilung von Hochhausprojekten (2012)


Weil diese Richtlinien nicht angewendet resp. seit 10 Jahren missachtet wurden, schrieb das Hochbaudepartement im Jahre 2019 eine Testplanung unter Architektenteams zu deren Überarbeitung aus.

Der Schlussbericht dieser Testplanung wird seit Dez. 2020 zurückgehalten und wurde nur durch eine Indiskretion öffentlich. https://we.tl/t-uvGTkTXQAE (29.1.2021)

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