• Horst Eisterer

Broschüre KINDERFREUNDLICHES BAUEN

Aktualisiert: 1. März

Diese Broschüre wendet sich an alle Personen, die in irgendeiner Weise die Entwicklung unserer Stadt beeinflussen oder an ihr interessiert sind.


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GzD_Eisterer_kinderfreundliches_Bauen
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zu hoch

Die in den letzten Jahren dem Stimmvolk vorgelegten Wohnbauvorlagen wurden wegen des Mangels an bezahlbaren Wohnungen alle angenommen. Die geschönten Darstellungen - die Hochhäuser verschwinden schon fast im Blau des Himmels - verführen die Abstimmenden, ein JA einzulegen (Beispiele: Ensemble AZ 590%, Thurgauerstrasse AZ 270%, Depot Hard , Letzi AZ >300%, Heinrich-Areal AZ 450%.)


Die in den Abstimmungsbroschüren gemachten Versprechungen, solche Wohnsiedlungen seien nachhaltig, klimagerecht, menschen- und kinderfreundlich, halten unseren Argumenten und Erkenntnissen nicht stand.


Als letzten Fall in der langen Reihe von Fehlleistungen machen wir an dieser Stelle auf die Überbauung Letzi-Areal aufmerksam, welcher am 7.3.2021 mit 70% zugestimmt wurde. Ausgerechnet die «Stiftung Wohnungen für kinderreiche Familien» will Kinder bis auf 8 Geschosse hinauf stapeln. Daneben isoliert die «Stiftung Alterswohnungen» Betagte in einem Hochhaus mit 24 Geschossen neben dem Gleisfeld, was dem wichtigen Ziel, verschiedene Generationen zu durchmischen, krass widerspricht.


Ursache des Problems sind die von den Planungsverantwortlichen angesetzte extreme Verdichtung, welche nur mit Hochhäusern zu erreichen ist. Dies geschieht in teils massiver Abweichung von der Regelbauweise resp. vom Bau- und Zonenplan, mittels Gestaltungsplänen. Begründet werden extreme Dichten mit dem Raumplanungsgesetz, welches den sparsamen Umgang mit dem Boden verlangt, sowie mit der gut erschlossenen Lage der Objekte.


Die Folge dieses Crowding sind zu kleine Freiflächen für die Erwachsenen und Kinder, weil auch trotz Geschosshäufung die Freiflächengewinne überproportional abnehmen. Der weltbekannte Architekt und Professor Alfred Roth schrieb seinerzeit, die Jungen bräuchten keinen Luxus, sondern Raum - zum herumtollen, sich verstecken, mit Sand und Wasser spielen, und und. Gilt das nicht mehr?


Wir empfehlen dem gegenüber - in Übereinstimmung mit den prominentesten Städtebauern - den wesentlich preisgünstigeren verdichteten Flachbau, der in der Tradition der europäischen Stadt nach oben mit den höchsten Baumkronen endet, und der den Menschen immer noch reichlich Freiflächen schenkt. Im Gegensatz zur Hochhausbauweise ist der verdichtete Flachbau nicht nur menschenfreundlicher, sondern entschieden umweltverträglicher. Man muss sich auch fragen, wieviel das aggressive Ausreizen der wenigen noch überbaubaren Areale an der Schmerzgrenze der Stadt mehr BewohnerInnen bringt, zumal Hochhäuser oft weniger gut belegt sind als normale Wohnhäuser. Auch erlaubt der Flachbau angenehmere, bergende und gefasste Aussenräume, ganz im Gegenteil zu den ungemütlichen Umräumen objektbetonter und dominierender Hochhäuser, die von Gegnern auch schon als Stadtparasiten mit guter Aussicht auf die anderen bezeichnet wurden. Private Investoren sind freilich an extremer Dichte interessiert, weil mit steigender Geschosszahl auch die Rendite ansteigt. Wir sind notabene für Hochhäuser, aber als Ausnahmeerscheinung mit städtebaulicher Begründung und mit geeigneter Nutzung und nicht so, wie sie überall zufällig herumstehen.


Unsere Argumente, die wir in verschiedenen Stellungnahmen und Broschüren festhielten, gehen mit Hinweisen auf die Rechtmässigkeit und die Fachkompetenz von Gremien wie des Baukollegiums (mit am städtischen Hochhausbau beteiligten Mitgliedern) unter. Die Verantwortlichen nehmen sich nicht einmal die Mühe, uns zu widerlegen.


Dessen ungeachtet versuchen wir unbeirrt und weiterhin, der schädlichen Stadtentwicklung, die Quantität vor Qualität setzt, entgegen zu treten, auch weil wir überzeugt sind, am Anfang einer grundsätzlichen und überlebensnotwendigen Bauwende zu stehen. Sie kommt uns entgegen und wird unsere Forderungen bestätigen.


Als letztes Thema greifen wir in unserer Arbeit die Bedürfnisse der ungefragten Kinder auf, wie sie von weltbekannten Kinderpsychologen und -ärzten beschrieben wurden. Auch stehen weltbekannte Städtebauer und Architekten auf unserer Seite.


Über das sensible Thema des kinderfreundlichen Bauens versuchen wir, möglichst viele Bewohnerinnen und Bewohner unserer Stadt für unsere Sache zu gewinnen. Wir haben in unserer Broschüre ein wenig von dem zusammengestellt, was zu diesem Thema geschrieben wurde und durch unsere elterlichen Erfahrungen bestätigt wird.

Dieses Video soll die Stadtbevölkerung mit eindrücklichen Bildern auf die Bedürfnisse von Kindern lenken.

Damit soll das Denken, weg von blosser Gewinnoptimierung durch Geschossanhäufung angeregt werden, hin zu menschlichem, ökologischem und ästhetischem Städtebau.

Wir freuen uns über jede Stellungnahme und Kritik.

Mit herzlichen Grüssen, Euer

Horst Eisterer, Mitglied der Arbeitsgruppe Städtebau + Architektur Zürich